Aus der Gletscherspalte auf die Wildspitze
In der letzten Augustwoche 2008 absolvierten wir auf dem
Brandenburger Haus auf 3272 m im Ötztal auf dem Kesselwandferner einen Eisgrundkurs. Wir, die 16 wissenshungrigen aus ganz Deutschland angereisten
Hobbyalpinisten und 2 lizenzierte Ausbilder vom DAV Berlin Brandenburg,
der Berg
Klaus (www.bergklaus.de) und sein Mitstreiter Dieter,
trafen uns Samstagnachmittag auf dem Hochjochhospitz auf 2413 m im Rofental.
Wir bezogen unsere Quartiere und lernten uns am Abend erstmal in gemütlicher
Runde kennen.
Sonntagfrüh gingen wir dann alle zusammen auf das Brandenburger Haus, schon auf dem Weg erste Erläuterungen zur Bildung, Aufbau und Bewegung eines Gletschers. Dann die erste Seilschaft über den Kesselwandferner zur Hütte.
Die nächsten 7 Tage verbrachten wir bei herrlichstem Sonnenschein in Theorie und Praxis zu
Zwischen Frühstück und einer deftigen Brotzeit am Mittag
war meist Theorie auf der sonnenreichen Terrasse der Hütte. Das Gelernte wurde
dann am Nachmittag auf dem Gletscher in die Praxis umgesetzt und gefestigt.
Dabei hatten wir natürlich auch unsere Gipfelerlebnisse mit dem Fluchtkogel
(3500 m) und der Mittleren Hintereisspitze (3451 m) als Abschlussübung.
Nach einem gemütlichen Hüttenabschlussabend gingen wir am Samstagfrüh alle
wieder zusammen zum Hochjochhospitz wo der Kurs beendet war und die Gruppe sich
trennte.
In diesen 7 Tagen wurde uns von den beiden Bergprofis viel Wissenswertes rund um den Berg und die Grundlagen sowie die Tücken des Bergsteigens in lockerer Atmosphäre aber dennoch sehr umfangreich vermittelt. Ziel war es, mit viel Fachwissen und gesunden Menschenverstand die Risiken am Berg und Gletscher zu erkennen und diese so gering wie möglich zu halten.
Da wir noch eine weitere Woche Urlaub hatten und das Wetter es weiterhin gut mit uns meinte, wir gut geschult und hoch motiviert waren, wollten wir unser Können auch unter Beweis stellen. Das Ziel, die Wildspitze mit 3774 m der zweithöchste Berg Österreichs.
Von Vent aus gingen wir auf die Breslauer Hütte (2844 m),
wir erreichten am Nachmittag bei strahlenden Sonnenschein die mit Alpinisten
überfüllte Terrasse. Bezogen Quartier und kamen auch gleich mit anderen
Bergsteigern in einen regen Erfahrungsaustausch bei Kaffee und Germknödel. Wir
inspizierten noch etwas die nähere Umgebung und erkundeten schon mal den
Einstiegsweg zur Wildspitze.
Am Abend war die Hütte bis zum letzten Bett belegt, fast alle hatten dasselbe
Ziel. Also hieß es am nächsten Morgen bei Zeiten los. Kurz vor 06:00 Uhr nach
dem Frühstück sind wir auf Hochtour, wir hatten uns für den Normalweg
entschieden. Nach etwa 1 ½ Stunden erreichten wir das Mitterkar-Joch (3468m).
Hier hieß es die Steigeisen an und in Reih und Glied hintereinander am Fixseil
hinauf. Vom Joch nach rechts in östliche Richtung über den wenig geneigten
Taschachferner zur Nordwestflanke der Wildspitze. Über die Flanke hinauf zum
Fußpunkt des Südwestgrates, der steil zum Gipfel hinaufführt. Erst noch über
Firn zuletzt über Fels erreichten wir nach etwa 4 Stunden das Gipfelkreuz (3770
m) auf dem Südgipfel.
Nach einer kleinen Brotzeit und ein paar Gipfelfotos machten wir Platz für die
vielen Gipfelstürmer und verließen den Berg über den Nordgipfel (3774 m) weiter
über den Rofenkarferner nach Vent.
Zusammen mit einer anderen Zweierseilschaft folgten wir den Spuren im Schnee.
Die Mittagssonne hatte auf dem Gletscher jegliche Spuren abgetaut und so mussten
wir sehr zeitaufwendig viele Spalten umgehen und uns unseren eigenen Weg bahnen.
Gegen 14:30 Uhr hatten wir den Gletscher hinter uns und endlich wieder sicheren
Fels unter den Füßen. Das lange, für uns doch ungewohnte, Laufen mit Steigeisen,
hatte seinen Tribut gefordert, die Füße schmerzten.
Aber bei Kaffe und Kaiserschmarrn auf der Terrasse der oberen Seilbahnstation
Vent verflogen die Strapazen und voller Stolz waren wir glücklich über die
gelungene Besteigung der Wildspitze.