Für Karlheinz Berger und Michele Strenzke stand das erste
Juniwochenende
ganz im Zeichen des Großglockner.
Termin: 04.-09.06.2010
Für Karlheinz Berger und Michele Strenzke stand das erste Juniwochenende ganz im Zeichen des Großglockner.
Die Anreise erfolgte am Freitag Abend, am Samstag wurde noch mal kurz trainiert und am Sonntag starteten beide bei einem der härtesten Radrennen Österreichs, dem „Glocknerkönig“. In den letzten Jahren hat Karlheinz, gemeinsam mit Radsportlern aus der Weißenfelser Region, schon mehrfach daran teilgenommen.
Ausgerüstet mit bestem, d.h. leichtestem Material, wollte er in diesem Jahr die Schallmauer von 2:00 Stunden unterbieten. Da einer seiner Freunde kurz vor der Abfahrt einen Arbeitsunfall erlitt, aktivierte Michele sein 15 Jahre altes, ca. zehn Jahre nicht mehr benutztes Rennrad und übernahm dessen Startplatz. Bei bestem Wetter starteten um 7:00 Uhr früh rund 2.800 Radfahrer, um die 27 km und 1694 Höhenmeter auf der Großglockner-Hochalpenstraße von Bruck bis zur Gedenkkapelle am Fuschertörl zu bewältigen. Bis Fusch ist die Steigung noch relativ moderat. Doch spätestens nach ca. der Hälfte der Strecke, ab der Mautstelle Ferleiten, geht es dann endgültig nur noch mit bis zu 12% Steigung bergan. Am Ende verfehlte Karlheinz sein selbst gestecktes Zeitlimit leider um 4 Minuten. Michele kam nach 2:12 Stunden ins Ziel und war angesichts der Umstände sehr zufrieden.
Am Montag begaben sich dann beide auf den Weg zur Besteigung des Großglockners. Mit dem Auto fuhren sie bis zum Glocknerhaus (2.132 m). Von dort aus stiegen sie bis zum Margaritzenstausee (2.000 m) ab, um über die Stockerscharte (2.442 m) auf dem Wiener Höhenweg bis zur Salmhütte (2.644 m) zu gelangen. Der Weg führte immer wieder durch sulzigen Firn, was sich als sehr zeit- und kräfteraubend erwies. Da ihnen das Radrennen noch ganz schön in den Knochen steckte, beschlossen sie, hier im Winterraum das Basislager einzurichten, und den Nachmittag zum relaxen zu nutzen.
Am nächsten Morgen begannen sie um 7:30 Uhr den Aufstieg mit Schneeschuhen bis zum Steilhang der Hohenwartscharte. Dabei konnten sie anfangs noch den Großglockner sehen, dann aber verhüllten dicke Wolken den Gipfel und auch den weiteren Weg. Anhand der Karte und einer Spur vom Wochenende war die Orientierung jedoch kein Problem. Der felsige, seilversicherte Aufstieg bis zum Grat hatte es dann schon in sich. Nun folgte der südliche Teil des Hoffmannskees und der Salmkamp, ein kurzes Gratstück. Wieder auf dem Hofmannskees, erschien im Nebel bald die Erzherzog Johann Hütte (3.454 m). In deren Winterraum wurde noch mal eine längere Rast gemacht und aller überflüssiger Ballast deponiert.
Da der Firn nun etwas fester war, gingen sie mit Steigeisen weiter über das Glocknerleitl bis zum tief verschneiten Kleinglockner (3.783 m). Der Abstieg in die Glocknerscharte wurde durch ein fixes Stahlseil erleichtert. Hier befestigte Michele sein 60 m langes Seil und kletterte, von Karlheinz gesichert, über den schmalen Firngrat hinüber zum Grat des Großglockner und weiter von Stahlstange zu Stahlstange, die dort vorhanden waren. An denen befestigte er jeweils das Seil, so dass Karlheinz am fixen Seil aufsteigen konnte. Auf diese Weise gelangten beide bis kurz unterhalb des Gipfels. Die letzten Meter bis zum Gipfelkreuz waren schnell überwunden. Angesichts der nasskalten Umstände war an eine längere Gipfelrast nicht zu denken. Schnell wurden die Fotos geschossen, dann ging es wieder zurück zur Scharte. Karlheinz stieg als erster am Fixseil ab und entfernte die Schlingen und Karabiner. Michele seilte danach ab. Von der letzten Stahlstange am Grat des Kleinglockners seilten sich beide so weit es ging bis ins Glocknerleitl ab, dann ging es in Falllinie im tiefen Schnee wieder bis zur Adlersruhe zurück.
Hier wurde aus einem Fallrohr der Dachentwässerung Schmelzwasser für die leeren Trinkflaschen gewonnen, kurz was gegessen und der Abstieg in Angriff genommen. Unterwegs verfinsterte sich der Himmel zunehmend und es graupelte. Eine Stahlstange, die am Salmenkamp steckte, knisterte laut hörbar, ein Zeichen für elektrische Aufladung. Schnell verließen beide die Gratschneide und stiegen weiter unten im Firn bis zur Hohenwartscharte ab. Auf dem letzten Teil des Weges wurden sie noch mal richtig vom Regen erwischt. Nach 13 1/2 Stunden endete die Unternehmung an der Salmhütte. Bald schnurrte der Kocher und es gab den ersehnten heißen Tee und eine warme Mahlzeit. Kurz darauf krochen beide in das Lager.
Am nächsten Morgen schien
die Sonne, so dass erst einmal alle Sachen getrocknet werden konnten. Danach
machten sich beide auf den Weg zum Glocknerhaus. Dieses Mal auf dem Bischof Salm
Weg durch das Leitertal. Anschließend wurde mit dem Auto noch ein Abstecher zur
Franz-Joseph-Höhe unternommen, um sich ein Bild vom Gletscherschwund an der
Pasterze zu machen. Dann fuhr man wieder nach Hause.
Michele Strenzke
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