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Thema: 1. Städtepartnerschaftslauf Aachen – Naumburg
   
Termin:  28. – 30.08.2013
Ort: Von Aachen nach Naumburg

 

In diesem Jahr jährt sich die Städtepartnerschaft zwischen Naumburg und Aachen zum 25. Mal.

Neben den dazu üblichen offiziellen politisch/kulturellen Veranstaltungen initiierte Christoph Franzke, Vorsitzender der LG Rudelsburg, im engen Zusammenwirken mit den beiden Partnerstädten, deren Partnerschaftsvereinen und mit Unterstützung engagierter Sponsoren aus unserer Region einen offiziellen Beitrag der Läufer beider Städte. Als Naumburgs Sportverein mit der größten Anzahl an Läufern wollten wir uns da gern beteiligen.

Erklärtes Ziel war es, innerhalb von 48 Stunden in einem Non-Stop-Staffellauf die Distanz von ca. 550 Kilometer zwischen Aachen und Naumburg zurückzulegen.

Aus den 13 Läufern (elf aus Naumburg, zwei aus Aachen) wurden drei Teams mit 4 - 5 Läufern gebildet. Jedem Team wurde in Abhängigkeit vom Höhenprofil pro Tag ein ca. 80 - 95 Kilometer langer Streckenabschnitt zugeteilt, der in 8 Stunden zu absolvieren war. Die Ablösung innerhalb der Teams wurde eigenständig organisiert. Hinter dem jeweiligen Läufer sollte das begleitende Wohnmobil quasi als Schutzschild fahren. Darin sollten sich dann auch die pausierenden Teammitglieder befinden. In Abweichung zu dem vorangegangenen Satz hatten wir vom Team 3 zwei Fahrräder dabei, um den Läufer immer mit einem Fahrrad zu begleiten. Wir waren der Meinung, dass das in Lauftempo fahrende Wohnmobil am Tage den Fahrer selbst und die anderen Straßenverkehrsteilnehmer zu sehr nerven. Außerdem würde der Kontakt zum Läufer enger sein.

Die Staffelstab-Übergabe zwischen den drei Teams erfolgte, immer an vorher festgelegten Punkten. 

Nach mehreren Vorbereitungstreffen war es dann endlich soweit.

Team Nr.1 und 2 fuhren bereits am Dienstag, den 20.08.13 nach Aachen, wo sie sich am Abend mit den  dort beheimateten Mitläufern und Mitgliedern des Aachener Partnerschaftsvereins trafen und sich alle in Geselligkeit kennen lernen konnten.
Unser SSV-Team (Nr.3), mit Angret und Ralf Neubauer, Steven Erdmann, Mathias Höhlig und Michael Strenzke startete arbeitsbedingt erst Mittwochfrüh im Wohnmobil gen Westen. Angret und Mathias hatten sich schon vorab bereit erklärt, neben ihren Laufeinsätzen auch abwechselnd als Fahrer zu fungieren.

Nach einem Stadtbummel und der Besichtigung des Rathauses mit dem bekannten Krönungssaal, trafen sich dann alle Beteiligten auf dem Aachener Marktplatz. 

Der Oberbürgermeister, Marcel Phillip, übergab Christoph Franzke den Staffelstab und verabschiedete gemeinsam mit den Vertretern des Aachener Partnerschaftsvereines um 17:00 Uhr alle Staffelläufer, die die ersten 5 Kilometer durch Aachen gemeinsam zurücklegten.
Am Stadtrand trennten sich die Teams. Während Rainer Ehrt, Läufer aus Team 1, seinen Weg fortsetzte, fuhren die anderen Teams zu den nächsten Wechselpunkten. Für uns lag der in Wahlbach/Burbach im Siegerland, wo in knapp 16 Stunden unser erster Einsatz beginnen sollte. In der Nähe fanden wir das Hotel-Restaurant „Windeck“. Dort konnten wir am Abend noch einmal die Kohlenhydratspeicher mit Bratkartoffeln füllen. Die Wirtin war auch so freundlich und stellte uns gegen ein geringes Entgelt ein Zimmer zum Duschen und einen Stellplatz für unser rollendes Wohn-/Schlafzimmer zur Verfügung. Am Morgen wurden wir auch noch mit frischen Brötchen versorgt.

Gegen 7:30 Uhr klingelte das Handy. Team 2, welches seit 01:00 Uhr durch die Nacht gelaufen war, gab bekannt, dass es eine halbe Stunde herausgelaufen hatte und bereits 8:30 Uhr am Wechselpunkt sein würde. Wir waren pünktlich am vereinbarten Ort und Michael Scholz wurde von Michael Strenzke abgelöst ab. Dieser spulte die ersten Kilometer ohne Probleme ab, obwohl der Verkehr auf der Fernverkehrsstraße ungewohnt und störend war. Während das Wohnmobil zum nächsten internen Wechselpunkt in Haiger vorfuhr, begleitete ihn Ralf mit dem Fahrrad. An der etwas unübersichtlichen Querung der B54 und A45 gab es dann die ersten Orientierungsschwierigkeiten. Sie wurden aber mit geringem Zeitverzug und einigen wenigen hundert Umwegmetern gemeistert. Kurz vor Haiger wechselten beide und Ralf übernahm den Laufpart Richtung Dillenburg. Dort war anfangs alles noch recht übersichtlich. Allerdings ließ die nächste Herausforderung nicht lange auf sich warten. In der Nähe des Bahnhofes war ein Radweg nach dem an unserem Weg liegenden Oberscheld ausgeschildert. Der entsprach aber nicht unserer vorgegebenen Route. Pflichtbewusst ließen wir ihn außer Acht und versuchten den beschriebenen Weg zu finden. An entscheidender Stelle missdeuteten wir das Roadbook und verfransten uns leider in einem Gewerbegebiet. Die Aktion kostete etliche Nerven, ca. eine halbe Stunde Zeit und bescherte Ralf einige Mehrkilometer. Endlich hatten wir den vorab geplanten Weg nach Oberscheld gefunden und trafen dort auch unser Team mit dem Wohnmobil wieder, was uns, ganz nebenbei erwähnt, bereits in Haiger aus den Augen verloren hatte.

Als nächster Läufer war Mathias an der Reihe. Begleitet von Steven hatte er ein langes Berganstück bis Hirzenhain zu absolvieren. Die Steigung war enorm und mittlerweile brannte die Mittagssonne, so dass Steven ihn schon etwas eher „erlöste“. Auch Stevens Abschnitt war wieder ganz schön bergig, doch trotz schmerzendem Unterschenkel ließ er sich nicht auswechseln. In Runzhausen übernahm Angret. Da auch sie einen schweren Anstieg in praller Sonne zu bewältigen hatte, wurde sie bereits in Dilschhausen von Michael abgelöst. Sein erstes Teilstück war flach, aber ab Dagobertshausen ging es dann noch einmal 3 Kilometer bergan, bevor die Strecke ca. 5 Kilometer talwärts hinab nach Marburg führte. Das Wohnmobil fuhr Richtung Cölbe vor und Ralf geleitete Michael mit dem Fahrrad durch die Innenstadt von Marburg. Dank eines „Verhauers“ an einer Baustelle fanden sie glücklicherweise zufällig den Radweg nach Cölbe und entgingen so dem Lauf auf der belebten Landstraße. Am Ortseingang von Cölbe übernahm Mathias noch einmal, begleitet von Steven. Vor Betziesdorf bogen sie außerplanmäßig auf einen Radweg ab, fanden dann aber mit Hilfe eines Einheimischen wieder die geplante Strecke. Die letzten ca. 12 Kilometer des Tages bis zum Wechsel in Emsdorf waren Ralf vorbehalten. Auf ihn wartete am Schluss noch ein besonderer „Leckerbissen“. Hinter Rauschenberg führte eine steile Straße ca. 3 Kilometer hinauf nach Burgholz. Ralf absolvierte den Anstieg mit der ihm eigenen Power. Eigentlich wollte sich der ihn auf dem Rad begleitende Michael locker „ausfahren“, hatte dabei aber gelegentlich Mühe Ralfs Tempo zu halten.

In Emsdorf stand pünktlich die Ablösung bereit und gegen 16:35 Uhr wurde der Aachener Rainer Ehrt auf die Strecke geschickt. Bevor Team 1 seinem Läufer folgte, wurden schnell die Rundumleuchte gewechselt und ein paar Erlebnisse ausgetauscht.

Unser Team konnte nun erst einmal durchatmen und „alle Viere gerade sein lassen“. Bald regte sich der Wunsch nach einer Erfrischung. Im Erlensee bei Kirchhain fanden wir dann etwas Abkühlung. Viel Zeit zum Genießen hatten wir aber nicht, denn vor uns lag noch die Fahrt zum Campingplatz „Drei Gleichen“ bei Mühlberg.

Auf dem gepflegten Platz meldeten wir uns beim netten Platzwart an, parkten das Wohnmobil und wanderten in das nahe gelegene Hotel-Restaurant „Taubennest“. In stilvoller Umgebung wurde die gutbürgerliche Küche getestet.

Der Blick in das Roadbook für den nächsten Tag sagte die Ablösung in Apfelstädt bereits für 7:55 Uhr voraus. Das konnte nur ein Versehen sein, denn lt. bisherigem Rhythmus müssten wir so gegen 8:30 Uhr dran sein. Ein Anruf bei Christoph hätte Licht ins Dunkel unserer Überlegungen bringen können, doch die Gruppendynamik entschied sich für: „Das lassen wir auf uns zukommen“. Bald fielen alle rechtschaffen müde in einen tiefen, friedlichen Schlaf.

Der Schock folgte dann auch prompt am nächsten Morgen. Bereits 6:10 Uhr „krähte“ das Handy und kündigte Team 2 für 6:45 an. Die geplante und von uns als verfrüht eingestufte Ablösezeit stimmte zwar überein, doch hatte Team 2 zu unserem Leidwesen über Nacht noch mehr als eine zusätzliche Stunde herausgelaufen. Für Morgentoilette, Frühstück und Fahrt zum Wechselpunkt in Apfelstädt blieb jetzt nur wenig Zeit. Das Frühstück wollten wir uns verständlicherweise aber trotzdem nicht nehmen lassen. Da Mathias der erste Läufer war, konnten wir anderen uns etwas gemütlicher präparieren. Angret und Michael blieben gleich ganz im Schlafanzug.

Wir trafen etwa 10 Minuten nach unseren Vorläufern am Ablösungspunkt ein. Obwohl unsere internen Berechnungen ergaben, dass keine Gefahr für das Gesamtergebnis bestand, machte sich Mathias sofort auf den Weg.

Der neue Morgen brachte, neben der bereits beschriebenen Hektik, auch etwas Gutes. Entgegen den Voraussagen war der Himmel mit Wolken bedeckt. So mussten wir keine Hitzeschlacht wie am voran gegangenen Tag schlagen. Hinter der Autobahnbrücke bei Ingersleben begann Stevens Abschnitt. Begleitet von Ralf wollte er seine Streckenkenntnisse nutzen und bis zum Erfurter ega-Park laufen. Dabei hatte er immer die Vorderseite mit dem Eingang im Sinn. Die Laufstrecke führte aber dahinter entlang. Erschwerend kam noch hinzu, dass beide kein Handy dabei hatten und das Wohnmobil wegen einer Baustellenumleitung und anschließendem Verkehrschaos beide, Läufer und Radfahrer, aus den Augen verlor. Die Wohnmobilbesatzung machte sich erst mal keine Sorgen, denn am ega-Park war der Wechsel zwischen Steven und Ralf geplant, der ja durchaus selbstständig und flexibel hätte durchgeführt werden können. Die Strecke immer an der B7 entlang war eigentlich übersichtlich und am Vorabend auch besprochen worden. Inzwischen erkundete das Wohnmobil den weiteren Weg zum nächsten internen Wechselpunkt in Azmannsdorf. Zur Sicherheit fuhr man dann aber doch noch mal den Läufern entgegen. Allerdings fehlte von denen jede Spur. Also kehrte man wieder um, damit man sie am nächsten Wechsel nicht verpasst. Irgendwann klingelte auf dem Rücksitz Stevens Smartphone. Mit Hilfe des Handys eines Passanten war er selbst am anderen Ende des Telefonsignals und gab beider Standort vor dem ega-Park bekannt. Wir fuhren nun zum dritten Mal durch Erfurt und statteten den beiden einen kurzen Besuch ab. Angret übernahm das Fahrrad und geleitete Ralf bis Azmannsdorf. Nun waren alle Schwierigkeiten überwunden, der Vorsprung aufgebraucht und wir befanden uns in bekannter Umgebung. Bei einsetzendem Nieselregen lief Angret bis Niederzimmern. Von dort aus führte Michaels Abschnitt über Ottstedt am Berge nach Daasdorf am Berge. Danach absolvierte Mathias seine zweite Tagschicht - durch Weimar. Am Ortsausgang übernahm noch einmal Michael, denn Mathias hatte ihn wegen der vorangegangenen schweren Strecke eher abgelöst. In Kromsdorf erreichte unser Team den Ilm-Radweg. Die weitere Route zur Mühle in Eberstedt teilten sich Steven und Ralf. Bis Großheringen gab auch Angret noch einmal alles. Danach folgte Michael bis zur Bad Kösener Saalebrücke. Das letzte Teilstück den Damm entlang bis zum Mühlplatz in Almrich lief noch einmal Mathias, mit dem Fahrrad begleitet von Steven und Ralf. Am Mühlplatz ca. 15:25 angelangt, vermissten wir ein vielstimmiges Empfangskomitee. Man hatte uns wohl noch nicht erwartet. Kurzerhand entschlossen wir uns, schnell noch nach Hause zu fahren, die Sachen auszuladen und uns für die Dinge, die an dem Abend noch kommen sollten, frisch zu machen.

Kurz nach 16:00 Uhr standen wir dann wieder auf dem Mühlplatz. Der war mittlerweile mit den anderen Wohnmobilen samt Teammitgliedern und Fans aus der Stadt bevölkert. Familie Rossol übernahm die Steuerung der Wohnmobile und um 16:30 Uhr setzte sich der Tross laufend, radelnd und fahrend in Bewegung, entlang der Moritzwiesen Richtung Innenstadt. An der Freyburger Straße erwartete uns eine Polizeieskorte und geleitete Läufer, Radler und Wohnmobile bis zur Salzstraße. Pünktlich, 2 Minuten vor 17:00 Uhr, erreichten wir den Theaterplatz. Dort wurde uns von einer jubelnden Menschenmenge, angeführt von den beiden Oberbürgermeistern, Marcel Phillip und Bernward Küper, ein unvergesslicher Empfang bereitet. Es folgten Staffelstabübergabe an den Naumburger OB, offizielle Reden, die Vorstellung der Läufer und die Verleihung des Karls-Ansteckers der Stadt Aachen an die Läufer.

Danach durften wir und unsere Angehörigen an der Partnerschaftsfeier im Hof der Bärenapotheke teilnehmen. Das bunte Programm, noch einmal mit Reden aber auch mit einer Weinverkostung, dem Besuch der Weinprinzessinnen, Musik und Tanz sowie vielen Gesprächen mit den anwesenden Aachenern und Naumburgern bleibt wohl vielen noch lange in guter Erinnerung.

An dieser Stelle soll nun auch einmal Christoph Franzke gedankt werden. Seine Idee und ihre akribische Umsetzung haben die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Städtepartnerschaft um eine Attraktion bereichert. Nicht zu vergessen sind auch die Sponsoren und Unterstützer: beide Städte und deren Partnerschaftsvereine, die Technischen Werke Naumburg, die Medinet GmbH Burgenlandklinik, die Caravan Rossol GmbH und die Firma Werbung Trautmann.

Ein besonderer Höhepunkt folgte dann noch am Samstag. Alle Läufer hatten Gelegenheit, am offiziellen Festakt zur Feier des Partnerschaftsjubiläums im Naumburger Dom teilzunehmen. Nach den Reden der Politprominenz aus Land, Kreis und den Städten versammelten sich alle Gäste im kerzenerleuchteten Domgarten, ließen sich die schmackhaften Speisen vom Büffet schmecken und genossen die Darbietungen der mittelalterlichen Gaukler.

 

Michael Strenzke

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